Appartement Raumeins + Antonio Calderara
Beendet

Appartement Raumeins + Antonio Calderara

Antonio Calderara (1903 -1979)

Ein Weg in die Reduktion – doch kein einsamer, wie die Fondazione Antonio e Carmela Calderara im italienischen Ameno noch heute den Besuchern eröffnet. Weggefährten der künstlerischen Jahre nach 1945 hat Calderara hier neben seinen eigenen Arbeiten zusammengeführt.

Diese Idee eines Zusammentreffens ist das Thema der aktuellen Ausstellung.
Arbeiten Antonio Calderaras begegnen Gebrauchsgütern des Depots. Wir freuen uns ausgewählte Arbeiten einer Kölner Privatsammlung Antonio Caderaras (1903 -1979) zu zeigen.

Für den Künstler Calderara war die Farbe ein bestimmendes Medium, denn Farbe bedeutete in seiner Arbeit die Auseinandersetzung mit dem Licht.
Und „im Licht selbst liegt das Thema meiner Malerei, mein Anspruch an Poesie.“ '1 Die Poesie seiner Arbeiten spürt man intuitiv, auch die Magie des minimalen Kontrasts. Für jeden von uns verblassen die Konturen einer realen Landschaft mit Beginn der Nacht. Genau diesen Prozess verstand Calderara als Auseinandersetzung mit Licht. Manche Arbeiten zeigen die Umkehrung dieser Wahrnehmung, was mit zunehmender Dunkelheit der realen Landschaft verschwindet, bleibt erhalten und was wir am Ende seiner ‚storia’ erkennen, ist uns in der Realität bereits zu Beginn verschlossen.

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Dieser poetische Akt wird z.B. mit der „Storia del Lago d’Orta, 18 variazoni di un tema, 1976“ '2 evident. Zunächst erkennt der Betrachter in den hellen Farben noch die waagerecht angeordneten Silhouetten einer Landschaft mit Ufer, See, Gebäuden einer Insel, Landzunge mit weiteren Gebäuden, einer Gebirgskette. Über achtzehn quadratische Variationen führt Calderara den Betrachter zu dem, was sichtbar bleibt –dem Resultat seiner Kunst - dem minimalen Ausdruck und vielleicht maximalen Eindruck.

Diese „Reduzierung der Ausdrucksmittel und eine daraus folgende formale Strenge oder Konzentration auf das Wesentliche“ '3 finden sich in der Kunst, der Architektur, der Literatur, der Musik, der Mode und im Design. Der Minimalismus steht im Kontrast zu „Ornamente(n) und formale(n) Übertreibungen“ '4, er bezeichnet nicht nur eine Einfachheit sondern auch den Verzicht auf das Überflüssige. Darüber geben die ausgewählten Auflagearbeiten und einzelne Originale Antonio Calderaras der Ausstellung Auskunft.

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Wenige Jahre nach Calderaras Tod, Mitte der 1980er Jahre gründete sich in Italien die Gruppe Zeus, mit „ a rather strong and arrogant brand name. This very instinctive initial idea gave rise to a boutique selling its own fabrics and fashion collections, an art gallery presenting Italian and foreign artists, and a minimalistic avantgarde design collection.“ 5

In dieser Stunde zero von Zeus begann Maurizio Peregalli u.a. eine Sitzmöbel-Serie zu entwerfen, die extrem reduziert auftrat. Grundstruktur bildete ein Vierkantrohr, Sitzflächen und Lehnen bestanden aus Gummi-Matten und Rohren. Kreis, Quadrat, Recht- und Dreieck bildeten die formale Elemente der Entwürfe.

Unser erstes Stück kauften wir Anfang 1986 in einem kleinen Möbelgeschäft in Ulm, wir waren begeistert von dem Design trotz oder gerade wegen der beeindruckenden Einfachheit. Savonarola - nicht mehr nur Hocker und noch nicht ganz Stuhl – diese Idee beeindruckte. Einmal aufmerksam geworden, fanden sich über die Jahre immer wieder Veröffentlichungen zu Peregallis Entwürfen. Bereits 1987 wählte Philipp Starck weitere drei Sitzmöbel der Serie für das International Design Yearbook '6 aus und viele mehr sind es bis heute geworden. Savonarola, Sgabello basso und auch Panca sind weiterhin im Programm des Herstellers Zeus – eine Tatsache der Nachfrage. Zur Information - die Exemplare der ersten Jahre fertigte der Hersteller Noto, Italy.

Calderara und Zeus – diese Verbindung bildet die Grundlage der nächsten Ausstellung.
Wie immer räumt das Konzept von Appartement Raumeins dem Gast den Vorrang ein – das weitere ist ein Prozess – mit Zeus im Depot.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch, verabschieden uns mit dieser Ausstellung für das aktuelle Jahr und freuen uns schon auf das nächste – mit Ihnen.

'1 Antonio Calderara – Friedrich W. Heckmanns, Ein Gespräch, August 1973; in: Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen und Kunstmuseum Düsseldorf 4. Dezember 1981 bis 24. Januar 1982, S. 72.
'2 ebd., S. 21.
'3 Minimalistisches Design, Franco Bertoni, 2004, S. 6.
'4 ebd., S. 32.
'5 http://www.zeusnoto.com/english/company_concept.htm, Stand 26.09.2016.
'6 International Design Yearbook, edited by Philippe Starck, 1987, S. 88.